Für alle statt für wenige


Nein zur Schliessung

23.April.2021

Am Freitagmorgen fand die digitale Pressekonferenz des Referendumskomitees „Nein zur Schliessung des öffentlichen Spitals Wattwil“ statt. Morgen startet die Abstimmungskampagne. Am 13. Juni stimmt die St.Galler Bevölkerung über den Erhalt des Spitals Wattwil ab. Ein Nein sichert dem Toggenburg die stationäre Gesundheitsversorgung. 

Die SP setzt sich gegen die Schliessung des Spitals Wattwil mit einem Referendum zur Wehr. Unzählige Engagierte im ganzen Kanton werden sich in den nächsten Wochen für das „Nein zur Schliessung“ am 13. Juni einsetzen. Mit eindrücklichen Stellungnahmen haben sich die Vertreterin des Gewerbes, die Gewerkschafterin und der Hausarzt aus dem Toggenburg positioniert. Hier einige Notizen aus der Medienkonferenz:

 

Kathrin Ott, Geschäftsinhaberin Augenoptik Ott, Präsidentin Verein Zentrum Wattwil sagt: „Das Spital Wattwil stellt die Grundversorgung für rund 45’000 Menschen im Toggenburg sicher. Ein Spital in der Nähe zu haben, ist definitiv kein Luxus, sondern gerade im Toggenburg dringend nötig für die Grundversorgung. Das Spital Wattwil ist nicht nur der grösste Arbeitgeber in der Region, sondern auch ein entscheidender Standortfaktor für die gesamte Arbeits-, Wohn- und Tourismusregion. Es ist nicht nur ein wesentliches Argument für Investoren, Zuzügerinnen und Zuzüger, sondern auch für uns Gewerbe- und Geschäftstreibende. Das Spital in Wattwil ist so notwendig und wichtig wie unsere Geschäfte, unser Gewerbe und die Gewerbetreibenden selber.

Die Schliessung eines topmodernen, neu ausgebauten Spitals würde grossen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten und der ganzen St.Galler Bevölkerung schaden. Viele Ausbildungs- und Arbeitsplätze gingen verloren. Das lokale Gewerbe würde Aufträge verlieren, das Toggenburg in seiner Entwicklung behindert. Von starken Regionen profitiert der ganze Kanton. Sie sind ein wichtiger Trumpf im Standortwettbewerb. Und: Wenn der Kanton das Spital Wattwil für einen Pappenstiel an einen privaten Investor verscherbelt, werden mit dem abzuschreibenden Substanzwert der Liegenschaften Abermillionen von Steuergeldern vernichtet.“

Dr. Med. Laurenz Gossweiler, Hausarzt, Wattwil, Mitglied des Referendumskomitees sagt: „Die Corona-Krise zeigt es: Dezentrale Spitalstrukturen helfen, schwierige Belastungssituationen besser zu bewältigen. Solche Situationen wird es wieder geben. Es wäre verantwortungslos, die Folgen der Pandemie für das Spitalwesen einfach auszublenden.

Dem Toggenburg droht – als einziger Region im Kanton – eine akute Hausarzt-Lücke: Der Altersdurchschnitt der Hausärztinnen und -ärzte bei uns nimmt immer mehr zu, und die Nachfolgesuche gestaltet sich schwierig. Die Hausarztdichte in der Region ist unterdurchschnittlich und weiter sinkend. In fünf Jahren sind von den 31, die wir heute sind, nur noch zehn unter 60jährig. Laut Prognose in einem Bericht, den die Beratungsgesellschaft KPMG für die Regierung im September 2019 ausgearbeitet hat, bräuchte es 2028 im Toggenburg 53 Hausärztinnen und -ärzte. Ein riesiger Kontrast mit dem Ist-Zustand! Nur dank enger Zusammenarbeit mit dem Spital können wir die Grund- und Notfallversorgung für Bevölkerung, Arbeitnehmende und Tourismus sichern. Ohne Spital ginge das Fundament der Zusammenarbeit sowie der vertrauensvolle und einfache Zugang zu einer stationären Versorgung verloren. Wir Niedergelassene müssten unsere Notfälle in vier Spitalbetriebe ausserhalb unserer Region zuweisen. Das Spital ist für die erfolgreiche Ansiedelung von Hausärztinnen und -ärzten unabdingbar. Ohne bedarfsgerechtes stationäres und ambulantes Spitalangebot und mit derart wenig Hausärztinnen und -ärzten ist die medizinische Grund- und Notfallversorgung im Toggenburg mit seiner geringen Ärztedichte nicht mehr gewährleistet. Das Spital Wattwil mit einer bedarfsgerechten Anzahl Akutbetten ist der unverzichtbare Ankerbetrieb für die medizinische Versorgung im Toggenburg, wie sie in der Kantonsverfassung verankert ist. Wir sind auf ein funktionierendes regionales Spital angewiesen.“

Max Lemmenmeier, Präsident der SP SG sagt: „Für die schweizerische und die kantonale SP ist die Gesundheitsversorgung ein Service public wie Sicherheit, Bildung, öffentlicher Verkehr. Wir stellen damit den Menschen in den Mittelpunkt unserer Politik und nicht den Profit der Spitäler. Wir haben uns deshalb seit je für eine Kontrolle der Gesundheitsversorgung durch den Staat eingesetzt und uns gegen die Auslagerung der Spitäler in öffentlich-rechtliche Anstalten ausgesprochen. Die Gesundheitsversorgung ist eine staatliche Leistung, die vom Staat zu erbringen und finanzieren ist. Darum wollen wir keine Privatisierungen der bestehenden Spitäler. Wir wollen die Steuerung dieses bedeutenden und zentralen Bereichs des Service public durch die Politik und die Rückführung der Immobilien in die öffentliche Hand.

Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident Wattwil und Präsident Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil (Pro Spital) sagt: „Das Spital Wattwil ist der Ankerbetrieb unserer Gesundheitsversorgung im Toggenburg. Ohne einen solchen Anker mit einem Angebot an stationären medizinischen Leistungen droht ein Versorgungsnotstand. Und das Spital Wattwil ist ein wesentlicher Wirtschafts- und Standortfaktor für die gesamte Wohn-, Arbeits- und Tourismusregion. Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil und Gemeinderat Wattwil haben sich seit der Schliessungsankündigung konstruktiv mit Vorschlägen für den Erhalt der Gesundheits- und Notfallversorgung sowie der Arbeitsplätze eingesetzt. Sie unterstützen nun das Referendum gegen den Nachtrag zum Kantonsratsbeschluss über die Erneuerung und Erweiterung des Spitals Wattwil. Auf der einen Seite baut der Kanton in der Region, um die Standortattraktivität zu verbessern. Auf der anderen Seite würden diese Investitionen mit der Spitalschliessung torpediert und die Standortattraktivität völlig sinnfrei wieder verschlechtert. Allein schon deshalb brauchen das Toggenburg und der Kanton am 13. Juni ein NEIN.

Alexandra Akeret, Gewerkschaftssekretärin VPOD sagt: „Es stellt sich die Frage: Was ist uns unser Gesundheitssystem wert? Es fehlen schweizweit gut 10’000 Pflegende und es werden jährlich mehr werden. Was heisst das für Sie und mich? Das heisst doch, wir müssen alles, wirklich alles daransetzen, dass wir mehr Pflegende ausbilden können und die Arbeitsbedingungen im Pflegeberuf wieder attraktiv machen. Was aber macht der Kanton St.Gallen? Er geht hin und schliesst Ausbildungsstätten im Spitalbereich. Das ist Irrsinn und genau das Falsche. Die privaten Spitäler müssen kein, oder nicht in gleichem Masse Pflegepersonal ausbilden wie ein öffentliches Spital. Wir müssen uns entschieden dagegen wehren, dass Angestellte zu reinen Kostenfaktoren und PatientInnen zu Käufer*innen von kommerzialisierten Dienstleistungen werden. Das Gesundheitswesen darf nicht noch mehr privatisiert werden, es gehört klar zum Service Public.

 

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(sp) 




SP vor Ort