Für alle statt für wenige


#Aufschrei über HSG – ein Mann erklärt den Frauen den Feminismus

5.März.2018

An vier Abenden doziert im März 2018 an der HSG St. Gallen, im Rahmen der öffentlichen Vorlesungen, PD Dr. Dominique Künzle, Privatdozent an der Universität Zürich, über die „Aktuelle feministische Philosophie“. Auf den ersten Blick freute ich mich über das Angebot, denn ich dachte, Dominique Künzle sei eine  Frau. Von Margrit Blaser, Präsidentin SP Frauen Kanton St, Gallen.

Beim genaueren Lesen der Ausschreibung des Vorlesungsprogrammes wurde mir jedoch unmissverständlich klar, dass hier ein gescheiter Mann die interessierten Frauen und Männern „mit vertieften Analysen und mit sorgfältigen Argumentationen“ über den Feminismus, auf der Grundlage der feministischen Philosophie, aufklärt. Sein „Aufhänger“ sind die Hashtag-Bewegungen wie #MeToo, #Schweizer Aufschrei oder #EqualPayDay. Er hat grosse Bedenken zum Streit um die #-Bewegungen auf allen Kanälen (nicht nur soziale Medien), die oft emotional, laut und polarisierend seien. An den Vorlesungen mache er einen Schritt zurück und stelle dazu Fragen wie beispielsweise: Gibt es rein strukturellen Sexismus? Was ist eigentlich die beste Definition von „Sexismus“ und von „Feminismus“? Sind wir verantwortlich für ungerechte Vorurteile gegenüber Frauen und Männern, auch wenn uns diese nicht bewusst sind?

Es ist schlicht nicht nachvollziehbar, was sich die Programmverantwortlichen dabei überlegten, einen Vorlesungszyklus zum Feminismus einzig von einem Mann und ohne die Beteiligung einer Frau anzubieten. Steht die HSG bei den Geschlechterthemen nach wie vor im letzten Jahrhundert? Die Auswahl an kompetenten Frauen zu diesem Thema ist sehr gross.

Es ist nicht einfach der Ärger einer linken Frau über dieses unmögliche Angebot in der Vorlesungsreihe der HSG. Heutzutage ist das schlicht eine Zumutung für Frauen weit in die bürgerlichen Kreise hinein, sich von einem Mann während vier Vorlesungen über den Feminismus aufklären zu lassen.

 




SP vor Ort